Archäologie zwischen Mosel und Saar – Römische Geschichte zum Anfassen

Veröffentlicht am 20. Dezember 2024 um 14:04

Rom an der Saar – bzw. an der Mosel?

Tatsächlich! Im Saarland bekommt man einiges aus dem Römischen Reich geboten und dieser Blog-Beitrag mit einem Hauch des vergangenen Sommers, ist vorläufig der Letzte – zumindest in diesem Jahr. Für das neue Jahr werde ich mir überlegen, ob ich den Blog in dieser Form weiterführe. Aber zurück in die antike Römer-Zeit!

 

Katharina Remy am Eingang zur Römischen Villa und dem Mosaikfußboden

 

Unweit der luxemburgischen Grenze, mitten in der malerischen Mosellandschaft, liegt der Weinort Nennig. Bekannt ist er für seine hervorragenden Weiß‑ und Rotweine sowie für Schloß Berg mit Casino und Spitzenküche. Doch Nennig hat noch ein archäologisches Highlight zu bieten: den beeindruckenden römischen Mosaikfußboden, der in situ nahezu vollständig erhalten ist – eines der bedeutendsten römischen Mosaike nördlich der Alpen.

 


 

Hinter dem eleganten Eingangsgebäude, das mit einem angenehm gepflegten Besucher‑WC punktet, öffnet sich ein gekiester Weg in das parkähnliche Gelände. Schon nach wenigen Schritten steht man vor dem Schutzhaus des berühmten Mosaikfußbodens – umgeben von den Grundmauern der einstigen römischen Axialhofvilla.

 



Grundmauern der römischen Villa in Nennig

 

Die römische Axialhofvilla beeindruckte einst mit einer Breite von rund 140 Metern und zwei stattlichen Geschossen. Teil des luxuriösen Anwesens war ein etwa 500 m² großes Badehaus, das den gehobenen Lebensstil seiner Bewohner widerspiegelt. Nicht weit davon erhebt sich der „Mahlknopf“, ein markanter Grabhügel von etwa 50 Metern Durchmesser, der bis heute weithin sichtbar über der Landschaft thront.

 


Modell der römischen Villa in Nennig

 

Der zentral gelegene Mosaikfußboden misst 15,65 × 10,30 Meter und schmückte einst den repräsentativen Eingangsbereich des im 1. Jahrhundert n. Chr. gegründeten Latifundiums. Nahezu drei Millionen etwa 1 × 1 cm große Steinchen bilden einen beeindruckenden Bildteppich: neun Szenen aus dem römischen Gesellschaftsleben, von denen sieben erhalten sind – darunter Gladiatorenkämpfe, Theaterdarstellungen, Tierkämpfe und Musiker.

Ein farbenprächtiges Panorama antiker Unterhaltungskultur.

 



 

Nachfolgend ein paar Detailaufnahmen

 




 

Zwar präsentiert das Landesmuseum Trier eine beeindruckende Sammlung römischer Mosaikfußböden, die man aus nächster Nähe studieren kann, doch der Zauber von Nennig ist ein anderer: Hier liegt der Boden noch immer an seinem ursprünglichen Platz, umgeben von den freigelegten Mauern der Villa – ein seltenes Erlebnis archäologischer Authentizität.

 

Das folgende Detailfoto stammt aus Trier, wo Besucher unmittelbar an die Mosaike herantreten können. In Nennig hingegen betrachtet man den Boden aus respektvoller Distanz von der umlaufenden Balustrade.

 

 

Der antike Boden liegt heute geschützt in einem modernen Bau, der zugleich als Eingangsbereich dient. Doch in Gedanken – und dank meines 3D‑Programms – lässt sich die Szenerie wieder zum Leben erwecken: die Villa in voller Pracht, das Spiel von Licht und Schatten, und die Dame des Hauses, die ihre Gäste mit anmutiger Selbstverständlichkeit empfängt, ob am hellen Tag oder in einer lauen Nacht.

 




 

Das Bild des Fußbodens in meiner 3D-Rekonstruktion entnahm ich dem Hausprospekt der Römischen Villa Nennig.

Den Boden kann man von April-Oktober von 10-18:00 h im Februar, März, November von 11-16:00 h Montags bis Sonntags besichtigen, für Jugendliche und Schüler ist der Eintritt frei, ansonsten ist man mit 3 €/ermäßigt mit 1,50 € dabei.

Zu finden unter:

 

Römische Villa Nennig

Römerstraße 11

66706 Perl-Nennig

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