AM HORIZONT DER SONNE Tut-Ench-Amun und seine Geheimnisse

Veröffentlicht am 4. Juni 2024 um 13:44

AM HORIZONT DER SONNE

 

Ist nicht nur seit fast 20 Jahren der Name meiner Webseite; es ist auch seit 25 Jahren der Titel meines ersten Romans. 1996 setzte ich mich zum ersten Mal an einen PC und fragte mich, was soll ich mit diesem Ding anfangen, welches seit kurzem unseren Haushalt bereicherte? ‚Schreib ein Buch‘ rief Herr Ranofer durch den Off, ‚laß alle die aufleben, für die du dich begeisterst!

Ja, nee, iss klar! Ich zeigte ihm ein liebevolles Vögelchen, starrte auf das virtuelle Blatt Papier. Sollte ich dieses Abenteuer tatsächlich eingehen? Von was soll ich schreiben?

Wie wäre es damit:

Ein ehrgeiziger Karrieretyp will die Welt verändern. Ein mysteriöser Tod, eine junge Witwe mit 6 Kindern schreibt altmodische Briefe, sucht bei fremden Leuten einen den sie heiraten könnte. Der Zukünftige stirbt, die junge Mutter verliert 5 ihrer Kinder, verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Ein junger Bursche heiratet später seine Stiefschwester, kämpft mit einem ehrgeizigen General und einer grauen Eminenz. Zwei Fehlgeburten und ein tragischer, früher Tod, weil die Karre zu schnell war. Die junge Witwe heiratet ihren alten Großvater, verschwindet ebenso auf Nimmerwiedersehen. Der Großvater machts noch vier Jahre, dann ist der General an der Reihe …

Mit den irren Vorgaben einen Roman schreiben? Wer soll das lesen? Das ist weder Science Fiction noch Romantasy – für Cosy Crime ist es zu brutal und außerdem ist nicht das kleinste Fitzelchen einer toxischen Beziehung mit dabei. Ganz zu schweigen von blassen, blutleeren -saugenden Helden, es gibt auch keine spitzohrigen Elfen… Und überhaupt, wer denkt sich so einen wirren Plot aus?

WER?

Tja, Leute, das wahre Leben denkt sich solche Geschichten aus! Denn das alles ist tatsächlich genau so passiert.

Allerdings 3350 Jahre vor unserer Zeit!

Im alten Ägypten!

 

Zögernd schrieb ich also den ersten Satz hin: Der junge Prinz traute seinen Augen nicht, als er aus der Schiffskabine trat.

Super! Da legte ich mir aber eine Steilvorlage hin. ‚Der Satz wird nicht gelöscht! Das hab ich geschrieben!‘ Dieses Verhalten kennt wahrscheinlich jeder der schreibt und um jedes Wort, jeden Buchstaben feilscht. Meine ersten Sätze werden übrigens nie gestrichen; das ist sowas wie mein Plot! Ich schreibe sie hin und daran entlang hangelt sich meine Phantasie, orientiert sich fast die gesamte Story. Also, los gehts: Was sieht der Bub? Was macht der auf dem Schiff? Und vor allem, wo liegt das Schiff? Der Rest ist ein Epos, eine Familiensaga und im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte!

Meine damals seit etlichen Jahren eingeschlafene Passion für Ägypten wurde somit rabiat aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen, Nachschlagewerke mußten her, gekaufte oder in Bibliotheken geliehene, denn es gab damals weder Onkel Wikipedia noch Tante Google, geschweige denn Internet für Otto Normalverbraucher.

Soviel zur Entstehungsgeschichte vom Horizont. Für diejenigen unter euch, die sich mit der tatsächlichen Historie auskennen, ist hier Feierabend! Für alle anderen gibt es einen kleinen Überblick über das reale Leben des Tut-Ench-Amun:

 

Tut-Ench-Amun ist der Enkel von Pharao Amenhotep III. und seiner Gattin Teje.

Sein Vater ist Pharao Echnaton, seine Mutter vermutlich Kija, eine unbekannte Dame aus dem Haushalt Echnatons oder Amenhoteps III. Von den beiden Frauenmumien, die im Grab KV 35 gefunden wurden, konnte die sog. Ältere Dame zweifelsfrei als Teje identifiziert werden. Die zu Lebzeiten furchtbar und auf grausamste Weise im Gesicht entstellte Jüngere Dame, Kija, ist vielleicht eine Tochter von Amenhotep III. und Teje und die Mutter von Tut-Ench-Amun.

Mit 8, 9 oder 10 Jahren bestieg der Bub – bis dato wahrscheinlich schon Vollwaise – den Thron, tat, was die Altvorderen, insbesondere Eje und Haremhab, seine Nachfolger im Amt, von ihm verlangten. Explizit heißt das, den verpönten Amun-Kult wiederbeleben, welcher unter Echnaton verboten war. Tut ließ die Amun-Tempel wieder öffnen, baute sein Grab, stellte ein paar Stelen und Statuen auf und starb! Mit 18. Oder 19, so genau kann man das nicht datieren. Was für ein Glück! Sein Grab im Tal der Könige, dem Kings Valley mit der Bezeichnung KV62, ist das einzige ungeplünderte Pharaonengrab! Und das war laut Howard Carter das einzig Bemerkenswerte in Tuts Leben: [… das einzig Bemerkenswerte an Tut-Ench-Amun war, daß er gestorben ist und beerdigt wurde…]

 

Äh… das ist vielleicht ein glanzvoller Nachruf! Aber was hat den armen Kerl denn nun so früh dahingerafft? Anfang der 2000der überschlugen sich die Spekulationen, kaum verging ein Monat ohne neueste Meldungen aus dem Tal der Könige. Man vermutete einem Mückenstich, eine Blutvergiftung, einen Jagdunfall. Ein ander Mal war eine ominöse Knochenkrankheit, ein Wasserkopf, ein Gendefekt schuld. Andere glaubten, er sei erschlagen, vergiftet, erwürgt, etc., pp. worden.

Tatsächlich stellte sich in den letzten Jahren dank modernster Technik heraus, daß der junge Pharao an mehreren Brüchen verstarb: ein Oberschenkelbruch des linken Beins, ein Bruch des linken unteren Oberschenkels, dazu einen Bruch der rechten Kniescheibe und des rechten unteren Beines. Solche Brüche, die vor Tut-Ench-Amuns Tod entstanden und nicht durch unachtsames Hantieren mit seiner Mumie, wurden definitiv durch einen Unfall, vielleicht mit einem Streitwagen, verursacht. Und das war im alten Ägypten sein Todesurteil, denn es ist Mer jrju nj = diese Krankheit kann der Arzt nicht behandeln…

Okay, ich will mich ja nicht rühmen oder als hellsichtig dahinstellen, aber dieser ominöse Unfall hat es schon 1996 in meine Geschichte geschafft …

 

Ein imaginäres Gespräch in der Royal Bar…

 

Es ist schon eine Weile her, seit ich zuletzt plaudernd in der Royal Bar saß. Heute sitze ich mit einem besonderen Gesprächspartner an der Theke und meine Leser lernen obendrein endlich Emad kennen! Der hält sich, nachdem er Crémant und Whisky serviert hat, diskret im Hintergrund. Meinen Gast kenne ich seit einigen Jahren, er ist – dank DAZ-3D-Studio – wie ich um keinen Tag gealtert. 😉

 

ICH: „Ist das schön, dich hier zu treffen, in diesem Ambiente! Als ich dich kennenlernte, war ich gerade mal 8 Jahre alt. Und nun stehen wir hier und … ich kann es gar nicht fassen! Du warst mir immer wie ein großer Bruder oder ein Cousin.“

TUT: „Ist wirklich schick hier! Kannst mich ruhig beim Namen nennen, mich kennt jeder hier…“

ICH: „25 Jahre sind vergangen! Kannst du dir das vorstellen? Das müssen wir feiern! Wo ist bloß die Zeit hin? Wie hast du sie verbracht… Ach ja, ich weiß, du planst einen großen Umzug. Das wird dir gewiß schwerfallen, aus deiner Heimatstadt Luxor nach Kairo zu ziehen.“

TUT: „Das liegt mir wie ein Stein im Magen. Das meiste Zeug ist schon dort, vieles habe ich sowieso schon etliche Jahre in Kairo eingelagert. Künftig hab ich jede Menge Platz, aber ob es das wert ist? Ich weiß nicht. Ich bin hier seit Jahrzehnten zu Hause und das neue Domizil macht einfach keine Fortschritte. Wie ist das, schreibst du noch?“

ICH: „Ich bin immer noch fleißig dabei. Ich habe vor, Am Horizont der Sonne auch aus der Sicht der Hohepriesterin Sahu-Re zu schreiben. Das sollen noch 3 Bände werden, bevor ich mich anderem zuwende, aber augenblicklich kann ich mich nicht aufraffen.“

TUT: „Ich kenne die Dame! Der Horizont der Sonne! Guck an, Achet-Aton… Warst du zwischenzeitlich endlich mal dort?“

ICH: „Letztes Jahr! Da ist ja gar nichts mehr. Ein paar Grundmauern, ein bißchen was von der Brücke steht noch…“

TUT: „Nicht dein Ernst? Soso, gar nichts…“

ICH: „Grins nicht so! Das fällt unter spoilern! Du weißt, was ich meine!“

TUT: „Hast du den Falken neulich gesehen?“

ICH: „Hör auf, du süßer Spinner! Das machst du jedes Mal! 1999 hast du’s bei der Erstveröffentlichung gemacht, 2010 und 2019 bei den Neuauflagen und jetzt schon wieder. Du glaubst gar nicht, wie mich das aufwühlt! Und das mit dem Licht, letztes Jahr, als ich dich besuchte, das hast du mit Absicht gemacht! Um mich zu schubsen, um mir deutlich zu machen, daß es an Zeit sei, für eine weitere Neuauflage…Ich habs verstanden und ich habs gemacht…“

TUT: „Du hast eine blühende Phantasie, Mädchen! Ich schicke dir keine Falken oder knips das Licht aus! Und bevor du noch mehr aus dem Nähkästchen plauderst, sollten wir das Thema wechseln. Meinst du, das neue Outfit kommt an?“

ICH: „Dein augenblickliches Outfit ist der Hammer! Das kommt in jedem Fall an! Wahnsinnig schick!“

TUT: „Der Kragen mitsamt Schlips ist eine Tortur! Das meinte ich allerdings nicht.“

ICH: „Man kann das neue Outfit bereits hier auf meiner Webseite bewundern. Und es gibt endlich Bilder von dir und…“

TUT: „Hast du es endlich geschafft, dir eine https-Seite zu nehmen?“

ICH: „Was denkst du wohl, wo wie hier sind!“

TUT: „Glaubst du, irgendeiner deiner Follower ahnt, mit wem du dich gerade unterhältst?“

ICH: „Die sind pfiffig! Die meisten werden wissen, wer du bist, wenn ich auch wegen dem Spoilern und so nicht ins Detail gehe. Und außerdem sieht man es an den Bildern hinter dir… Die hab ich extra wegen dir hier aufgehängt! In der echten Royal Bar hängen alte S/W-Fotos mit Motiven aus der Umgebung…“

TUT: „Das sind die Originalfotos von dem Typ, der…“

ICH: „Natürlich!“

TUT: „Er hat ihn einfach ausgebuddelt! Nicht zu fassen! Obwohl ich verfügte…“

ICH: „Es weiß ja nicht jeder, was ich oder meine Leser wissen. Laß gut sein, mein Schatz, sonst spoilern wir wirklich noch und das soll nicht sein! Komm, trink aus, Emad will Feierabend machen. Zeit zu gehen!“   

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Kommentare

Ilona Arfaoui
Vor 8 Tage

Super erzählt, mit Humor und viel viel Begeisterung. Ein weiser Entschluss, dem Bub eine Neuauflage zu verpassen

Katharina Remy
Vor 8 Tage

Das hat dem Bub gutgetan 😁Bin mal gespannt, wie seine Geschichte dir gefällt 😘

Jürgen
Vor 6 Tage

Super Idee 💡