Am Horizont der Sonne

 

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Die Särge und Schreine

1: Insgesamt vier Schreine bargen meinen Sarkophag mit den drei Särgen. Der äußere Schrein, der zusätzlich mit blauer Fayance verziert war (hier nicht abgebildet) hat die Maße: L 5,08 m, B 3.28 m, H 2,25 m. Howie mußte ganz schön schuften, um dieses Ding zu zerlegen. Ineinander verschachtelt wie russische Puppen folgten die drei anderen Schreine. Allesamt bestehen sie aus vergoldetem Holz. Ihre Verzierungen beziehen sich auf das ägyptische Totenbuch, auf traditionelle Pyramidentexte, eine Komposition über den Sonnengott und magische Texte gegen böse Mächte. Der kleinste Schrein, ganz rechts, hat noch die Maße: L 2,90 m, B 1,48 m, H 1,90m

2:Diese beiden Miniatursärge sind ein Mysterium im KV62. In ihnen fand sich diese in Leinen gewickelte goldene Staute des kindlichen Königs. 3 Ich trage hier den Kriegshelm, um den Hals eine Kette aus goldenen und bunten Perlen. Krummstab und Wedel halte ich in der rechten Hand. Die meisterhaft gearbeitete Figur ist insgesamt nur 5,4 cm hoch. Sie wurde als Anhänger an einer goldenen Kette getragen. Die kleinen Särge tragen den Namen Tejes, der Gemahlin Amenhoteps III. Im inneren Sarg wurde zudem eine kastanienbraune Haarlocke von Teje gefunden. Die Größe des äußeren Sarges beträgt 78 cm, die des inneren 74 cm

Das Leben von uns Ägyptern war vom Jenseits geprägt. Unser Sinn und Bestreben richtete sich auf eine angemessene Bestattung. Das Fortleben nach dem Tod war uns von grosser Bedeutung. Wir liessen uns mit dem schönen Dingen des irdischen Lebens bestatten, damit uns im Jenseits, das wir "die Gefilde von Jalu" nannten, nichts fehlte. Fast alles aus unserer häuslichen Umgebung nahmen wir mit ins Grab. Selbst Essen und Trinken, sogar Spielzeug oder Liebesbriefe durften nicht fehlen.

Unser ganzes Leben arbeiteten wir, um sich einen Platz bei den Göttern zu sichern. Eine Bestattung mit Mumifizierung kostete ein Vermögen. Als Beispiel sei hier der Verdienst eines durschnittlichen ägyptischen Arbeiters genannt: 1 1/2 Sack Emmer und 4 Sack Gerste. Dies entsprach einem Gegenwert von ca. 7 Kupferdeben. Eine einfache Bestattung kostete umgerechnet etwa 30 Monatslöhne, also ca. 200 Kupferdeben. Die gehobene Bestattung dagegen war fast unerschwinglich für einen Arbeiter. Sie kostete ca. 1000 Kupferdeben, also etwa 150 Monatslöhne. Zum Vergleich das Beispiel einer königlichen Bestattung: Allein mein 110 kg schwere Goldsarg kostete etwa den Gegenwert von 35. 000 Monatslöhnen eines Arbeiters. Die Kosten meiner anderen unzähligen Grabbeigaben übersteigen jede Vorstellungskraft.

Jetzt sitz ich da und komm ins Grübeln. Drei Särge und jeder hat ein anderes Gesicht. Da haben sie mal wieder in alten Beständen gewühlt. Im Innern der 4 Schreine befand sich der Quarzitsarkophag der nun diese 3 Särge beherbergte. Von unten nach oben also:

Der äußere Sarg aus vergoldetem Holz. Er steht heute noch im KV62 und beherbergte bis vor einigen Jahren immer noch meine Mumie.

Der mittlere Sarg aus mit Blattgold belegtem Holz hat Verzierungen die in der Cloisonné-Technik ausgeführt sind. Das Hauptmotiv des sogn. "rishi"-Musters (Federmuster) ist aus Lapislazuli, Karneol, buntem Glas und Türkisen gearbeitet.

Der innerste Sarg ist aus purem Gold. 110,4 kg wiegt diese Kostbarkeit. Pech und Harze allerdings, welche während der Beisetzungszeremonie großzügig über dem Sarg ausgeschüttet wurden, zersetzten leider die Kalziteinlagen der Augen. Aber auch an diesem Sarg findet man Verzierungen aus Karneol, Lapislazili, Türkis und Glas.

Die vier Miniatursärge, da rechts im Bild, sind aus purem Gold, welches in Cloisonné-Technik gearbeitet ist. Sie enthielten meine Eingeweide. Und sie ähneln in ihrer Ausführung dem großen Goldsarg. Carter fand sie in der Kanopentruhe aus Kalzit und dort wiederum in den Kanopenkrügen. Sie sind 39 cm hoch und 11 cm breit.

 

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