Am Horizont der Sonne

 

Zurück zu den Specials

Das Grab

"Den ganzen nächsten Tag arbeiteten wir unter Hochdruck und entdecken etwas, was sich als in den Mutterfelsen geschlagene Treppe erwies. Je tiefer wir kamen, desto klarer wurde uns, daß wir einen wichtigen Fund vor uns hatten. Spätabends wurde ein blockierter und versiegelter Türeingang freigelegt!
Es waren die Siegel eines Königs - Tut-Ench-Amun!
Da wußten wir jenseits aller Zweifel, daß wir am Rande einer großen Entdeckung standen. Meine Gefühle brauche ich ihnen nicht zu schildern!"

Howard Carter

Ja, und so stieg ich noch einmal hinunter. Um Euch alles zu zeigen, um Euch ein Bild zu geben von meiner Zeit und meinem Leben.
Das KV 62 - so nennen sie mein Grab heutzutage - im Wadi Biban el Muluk, das von Howard Carter am 4. November des Jahres 1922 entdeckt wurde, gehört bis heute zu den Höhepunkten der ägyptischen Archäologie. Ein unentdecktes, fast intaktes Grab mit der Königsmumie zu finden war mehr, als sich die Archäologen zu dieser Zeit zu erhoffen wagten.
Der archäologische und künstlerische Wert der Funde ist unermesslich - mein Grab, das Einzige unversehrte - ist ein Füllhorn sakraler und profaner Schätze. Und so sieht es jetzt da draußen aus. Katharina hat es für mich fotografiert, als sie mich besuchen kam. Da drin darf natürlich niemand knipsen. Wo kämen wir denn dann hin???

16 Stufen führen in einen leicht absteigenden Korridor von wo aus man die Vorkammer betritt. Unter vielem anderen standen dort die drei Ritualbetten, die beiden lebensgroßen Wächterstatuen viele Truhen und die Streitwagen. Heutzutage finden mich meine Besucher direkt links neben dem Eingang. Ich weiß nicht, wer auf die groteske Idee verfallen ist, mich aus meinem Sarg zu nehmen und da auszustellen wie ein...ein... mir fehlen die Worte. Dabei sehe ich wirklich nicht besonders aus, ehrlich, mit der Zeit vergeht einem da unten der Spaß und man trocknet aus und so. Außerdem hat irgendso ein Depp meinen Kopf abgesäbelt. Ich vermute ja stark, daß es der Howie war, als er die Maske abnehmen wollte. Das war nicht nett!!!

Einzig die Grabkammer (Abb.3) zeigt Wandgemälde, ansonsten sind die Wände des Grabes nur grob verputzt In der Grabkammer befanden sich die Schreine mit den Särgen und meiner Mumie. Übrigens könnt ihr die unterstrichenen Wörter ruhig anknipsen,denn dann führe ich Euch zu dem Beschriebenen.

Von der Grabkammer aus betritt man einen weiteren Raum, die sogenannte "Schatzkammer" (Abb.5). Dort stand der gewaltige Kanopenschrein mit den 4 anmutigen Göttinnen Isis, Nephtys, Selket und Neith. Der Eingang der Kammer bewacht Anubis auf seinem Podest. Auch meine beiden totgeborenen Kinder waren hier bestattet. Außerdem fand Carter neben Truhen und Modellen von Booten einen vergoldeten Kuhkopf, das Symbol der Göttin Hathor, Gefäße mit Natron, Kisten mit Uschebtifiguren, Leinen und Schmuck.

Die Seitenkammer (Abb.4) enthielt neben Waffen, Booten, Weinkrügen und Vorratsbehältern mit Nahrungsmitteln auch meinen Reisebaldachin, den schönen Zeremonialthron und weitere Kisten mit Uschebtis, Bettgestelle und Schemel. Alles haben sie mir mitgegeben, eingepackt, lose, wild durcheinandergewürfelt oder sortiert. Unterwäsche, Handschuhe, Stiefel, Pfeil und Bogen, Körbe und Töpfe. Von dem vielen Essen und Trinken ganz zu schweigen. Sollte ich mir vielleicht Gäste einladen?

Das Grab wurde in antiker Zeit zweimal geplündert. Den Göttern sei Dank - die Grabkammer blieb unberührt. Beim ersten Mal entwendeten die Räuber Schmuck. Der heute im ägyptischen Museum Kairo ausgestellte Schmuck stammt ausschließlich von meiner Mumie selbst, die mit über 170 Schmuckstücken und Amuletten bedeckt war. Von diesem ersten Raubzug blieben nur 7 Ringe zurück, die in ein Tuch gewickelt, in einer Kiste versteckt waren. Das Grab wurde versiegelt und kurze Zeit später abermals aufgebrochen. Diesesmal der wertvollen Öle und Salben wegen. Ein zweites Mal wurde es neu versiegelt und der Eingang jetzt zugeschüttet. Später bedeckte Bauschutt vom Grab meines Amtskollegen Ramses VI. noch zusätzlich den verborgenen Eingang zum Grab und nun sollte es über 3000 Jahre dauern, bis Carter mich finden würde.

Der Grabplan