Am Horizont der Sonne

 

Der Gott Seth

Seth - ja das ist ein richtiger Kerl. Er kam mir gerade gelegen, als Pharao Chufu seine Rache vollenden wollte. Ich hatte den Schuldigen in Seths altem Wüstentempel eingemauert und kam 10 Tage später zurück....Pharao war not amused von dem, was er dann zu hören bekam...

Außerdem sollte ich ja von Seth berichten. Sein Ansehen hat sich im Laufe der Geschichte unregelmäßig positiv, bzw. negativ verändert. Bis zum Beginn der Spätzeit wird Seth als kraftvoller Beschirmer des Sonnnengottes als auch als Mörder des Osiris angesehen. Danach wird er zunehmend mit dem Feind des Sonnengottes identifiziert was letztendlich zu einer vollständigen Verfremdung des Gottes geführt hat. Seth ist der Gott von Ombos, dem damaligen "Nubt", das mit dem heutigen "Tuch" in Zusammenhang gebracht wird. Nubt muß am Ende der Vorgeschichte eine bedeutende Stadt gewesen sein. Der Name leitet sich wahrscheinlich vom altägyptischen Wort "nub" für Gold ab. Die nahe gelegenen Goldminen von Wadi Hammamat lassen das vermuten. Bis jetzt wurde ein einziger Tempel aus dem Neuen Reich gefunden, der dem Seth geweiht war. An ihm bauten mehrere Könige der 18. und 19. Dynastie, darunter Tutmosis I. und Amenhotep II.

Nun fragt man sich bis heute, wie er aussieht. Seth: ein bisher nicht identifiziertes Tier oder als Mensch mit dem Kopf dieses Tieres dargestellt, Gott des Chaos, der Wüsten, des Sturmes und der Kriege. Seth - Der Rote - wurde mit dem Planeten Merkur gleichgesetzt. Er gehörte zur Heliopolitanischen Neunheit:

  • Atum (eingeschlechtlicher Schöpfergott)
  • Schu ( Gott des Lebens, des Lichts und der Luft) und Tefnut (Göttin der Feuchtigkeit)
  • Nut (Göttin des Himmelgewölbes) und Geb (Erdgott)
  • Osiris, Isis, Nephtys und Seth


Der Gott Seth

Für uns Ägypter sind auch die Götter dem Todesgeschick unterworfen, und in besonders grausamer und drastischer Art verkörpert der Mythos um Osiris dieses unausweichliche Schicksal, das alle Wesen gemeinsam zu tragen haben. Der Gott wird von seinem Bruder Seth nicht nur ermordet, sondern zerstückelt und in den Nil geworfen, der völligen Auflösung preisgegeben. Das Todesgeschehen in seiner schlimmsten Art überwältigt ihn, noch dazu vorzeitig, bevor er einen Erben gezeugt und für die Fortdauer seiner Herrschaft gesorgt hat, die nun Seth an sich reißt. Vom rituellem Begräbnis, von Einbalsamierung kann keine Rede sein .
Treue über den Tod hinaus bewirkt das Wunder. Isis sammelt, von eifrigen Helfern unterstützt, die verstreuten Körperteile ihres Bruders und Gemahls, ergänzt das fehlende Glied und sorgt postum für Nachwuchs, indem sie vom starren Leichnam des Osiris den Horus empfängt. Damit ist der Plan des Seth gescheitert, es existiert ein Erbe, und die durch Recht und Herkommen geheiligte Erbfolge vom Vater auf den Sohn kann auch durch gewaltsamen Eingriff nicht außer Kraft gesetzt werden. Auch wenn sich Horus als Erbe noch vielfach bewähren muß, triumphiert am Ende seine Geschicklichkeit, durch List und Zaubermacht der Isis unterstützt, über die plumpe Kraft des gewalttätigen Seth. Feierlich spricht ein Göttergerichtshof in Heliopolis Recht: Osiris erhält die Herrschaft über die Tiefen, in die er hinabging, Horus wird auf Erden als König eingesetzt und verkörpert sich im regierenden Pharao; nach einer Variante des Mythos endet der ganze Streit versöhnlich, da auch Seth seinen Anteil an der Herrschaft über die Weltsphären erhält - die zu ihm passende unfruchtbare Wüste und das Ausland, also Gebiete außerhalb der Ordnung, in denen sich seine unzähmbaren Kräfte austoben können.
In den Pyramidentexten des Alten Reiches, in denen der tote König zum Himmel emporsteigen und dort die Regierung ausüben will, gelten Osiris und sein Totenreich in der Unterwelt noch als problematische Jenseitsregionen, die man besser meidet. Aber der König wird durch sein Todesgeschick schon jetzt zu einem "Osiris" und trägt als Verstorbener diesen Gottesnamen wie einen Ehrentitel; nach dem Ende des Alten Reiches erhalten Schritt für Schritt auch die übrigen Toten diese Auszeichnung, bis jedermann im Tod zu einem "Osiris Jedermann" wird, in die Rolle und auch in das Wesen des Gottes eintritt.
Ein Rest der alten Vorurteile gegen die Welt der Tiefe findet sich noch im Totenbuch, so im Wunsch des Verstorbenen, aus "diesem schlimmen Land" zu entkommen, "in welchem die Sterne umgestürzt auf ihre Gesichter fallen und nicht wissen, wie sie sich wieder erheben sollen" (Spruch 99 B). Das bekannte "Jenseitsgespräch" des 175. Spruches, zwischen Atum und Osiris geführt, hat für dieses Grauen vor der Tiefe bleibende Formulierungen gefunden. Dort sieht Osiris selber seinen neuen Herrschaftsbereich als eine Stätte des Mangels, als eine Wüste ohne Wasser und Luft, ohne die Freuden der Liebe, kurzum "ganz tief, ganz finster, ganz endlos". Erschwerend kommt für ihn hinzu, daß er als einziger Gott nicht in der "Barke der Millionen", im Sonnenschiff mitfahren kann, da er ja seinen Königssitz nicht im Stich lassen darf. Atum beruhigt ihn mit zunächst sehr abstrakten Zusicherungen; an Stelle von Wasser, Luft und Wollust habe er "Verklärtheit" gesetzt, an Stelle von Brot und Bier den "Frieden des Herzens", also Bedürfnislosigkeit. Dazu tritt dann der konkrete und entscheidende Hinweis, daß sein Feind Seth ihm in der Erdtiefe nicht nahekommt und daß Horus als Sohn und Erbe die Herrschaft auf Erden antritt. Osiris soll auch in der Unterwelt immer wieder den Sonnengott schauen und nach "Millionen von Jahren" mit ihm zusammen bestehen bleiben, wenn alle Welt zugrunde geht.