Am Horizont der Sonne

 

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Der Schatz von Tanis


Der Schatz von Tanis und die 21. Dynastie

Der weithin unbekannte Urheber dieser Schätze ist der am 27. Juni 1885 in Beaujolais geborene französische Ägyptologe Pierre Montet. Er arbeitet 1910 am französischen Institut für orientalische Ärchäologie in Kairo. Er gräbt in Abu Roasch bei Gizeh, dann in Mittelägypten, wo er die Gräber von Assiut und Beni Hassan erforscht. Er bricht zu einer Expedition nach Oberägypten auf, wo die ältesten Goldminen der Welt lagen. Ab 1919 lehrt er an der Universität von Straßburg Ägyptologie, leitet in Phönizien Arbeiten zur Erforschung des antiken Gebail (Byblos). Durch die Lektüre der biblischen Schriften angeregt, sucht er an der palästinischen Küste Spuren der Völker, die mit dem antiken Ägypten in Kontakt standen. Gleichzeitig sucht Montet in Ägypten Spuren der Anwesenheit der Hebräer unter den Ramessiden zu finden und entschließt sich, im Delta zu graben. Seine Wahl fällt auf das wenig bekannte Tanis, das lange Zeit mit Per-Ramesse und mit Auaris verwechselt wurde.

Im Frühjahr 1939 gräbt Pierre Montet bereits seit 12 Jahren in einer abgelegenen Stätte im Nildelta. Er vermutet in dem an der Nilmündung gelegenen Tanis antike Reichtümer.
Trotz der Wirren des 2. Weltkrieges arbeitet Montet unbeirrt weiter und findet am 15. Februar 1940 den Eingang zum Grab des Psusennes. Am 21. Februar wird es im Beisein Königs Faruk geöffnet. Hinter einer zugemauerten Tür, die mit Bildern ritueller Szenen bedeckt ist, findet man Hunderte Objekte, Ritualgefäße und Uschebtis die um einen gewaltigen Sarkophag aus Rosengranit verstreut liegen. In dem unversehrten Sarkophag fand sich ein weiterer Sarkophag aus schwarzem Granit, darin schließlich der silberne Sarg des Psusennes.


Am 1. März wird der Silbersarg geöffnet, der durch Feuchtigkeit korrodierte Boden bricht auseinander. Vorsichtig wird nur der Deckel entfernt, um weitere Schäden in Grenzen zu halten. Die Mannschaft erlebte eine Überraschung: Sie blickt auf eine Goldmaske deren Züge von vollendeter Reinheit sind und die mit der des Tut-Ench-Amun vergleichbar ist. Wie war es möglich, daß ein kaum beachteter Pharao von solchem Prunk umgeben war? Die Goldmaske des Psusennes mit Nemeskopftuch, Uräusschlange, Zeremonialbart und mehrreihigen Halskragen ist mit Ausnahme der Einlegearbeiten an den Augen, Brauen und Bart ohne jede farbliche Verzierung. Die Maske ist in Treibtechnik gearbeitet, punziert und ziseliert. Der hintere Teil besteht aus einem einzigen dicken genieteten Goldblech. Insgesamt ist die Maske 48 cm hoch.


Abgesehen von der Maske ist der Körper des Pharaos mit weiteren goldenen Schmuck und Kleidungsstücken ausgestattet:
Einen großen "Überwurf" der von der Brust bis zu den Knöcheln reicht. An den Fingern und Zehen trägt er mit Ringen geschmückte Goldkappen, außerdem goldene Sandalen von schlichter Eleganz. Dreißig Ringe, zweiundzwanzig Armbänder, Pektorale, Skarabäen, Halsbänder und Talismane wurde dem verstorbenen König mitgegeben. Ebenso eine goldene Bauchplatte. Das punzierte Goldblech, das den bei der Einbalsamierung gemachten Schnitt verdeckt, ist mit dem unheilabwehrenden Udjat-Auge und den vier Schutzgeistern der Kanopen verziert. Von der Mumie selbst blieben nur einige Gebeine.
Der Schatz des Psusennes ist vielleicht nicht so überwältigend wie der des Tut-Ench-Amun, aber er läßt keinesfalls an eine schwache Regierung und eine verarmte Epoche denken. Die Hunderte von Schmuckstücken, Amuletten und Talismane zeichnen sich durch Vielfalt und Originalität aus. Sie lassen ohne Zweifel einen Vergleich mit Tut-Ench-Amuns Stücken zu und belegen, daß die Goldschmiedewerkstätten von Tanis einer großen Epoche würdig waren. Nur das Mittlere Reich übertrifft die Gestaltung dieser Schmuckstücke mit Eleganz und Anmut.

Ehrengold des Psusennes I.


Montet findet auch die ungeplünderten Gräber der Pharaonen Scheschonq I., und Amenemope und das Grab des Prinzen Undebaudet, dem Anführer der Bogenschützen der königlichen Leibwache. Unzählige Silbergefäße und Schmuckstücke zeigen den Ägyptologen, daß Ägypten zu dieser Zeit Silber im Überfluß zur Verfügung steht. In früherer Zeit war Silber seltener als Gold und dieser Silberschatz läßt auf intensiven Handel mit Vorderasien schließen.

Falkenköpfiger Innensarg Scheschonqs

Montets Entdeckungen sind in jeder Hinsicht verblüffend. Denn diese Funde machen deutlich, daß der vermutete Niedergang dieser Epoche, die die Dritte Zwischenzeit (ca. 1085-800 v.Chr. ) genannt wird, nicht so dramatisch war, wie zunächst angenommen.
Die Macht in Ägypten ist zu dieser Zeit geteilt. Den tanitischen Herrschern Unterägyptens stehen die Hohepriester des Amun in Theben gegenüber. Im Lande herrscht Bürgerkrieg. Die vermutete Ahnung der Verarmung Ägyptens durch die Historiker wird durch die Funde wiederlegt. Bereits in der 22. Dynastie wird die Einheit wieder hergestellt und unter den libyschen Pharaonen findet Ägypten zu seiner alten Dynamik. Die Eroberung Jerusalems durch Scheschonk I. verdeutlicht Ägyptens Stärke.

Er verteilte 27 000 Kilo Gold und 180 000 Kilo Silber an die Heiligtümer im Delta. Diese Reichtümer stammten allerdings größtenteils aus der Plünderung Jerusalems.

Pektoral des Pharaos Amenemope

Pharaonen der 21. Dynastie:

Pharao Smendes (Nesbanebdjet, 1069 - 1043 v. Chr.) gründet die 21. Dynastie.
Tanis wird Hauptstadt.
Pharao Amenemnisu (Neferkare, 1043 - 1039 v. Chr.) folgt ihm und schon 1054 v. Chr. besteigt Pharao Psusennes I. (Pasebachaenniut, 1039 - 991 v. Chr.) den Thron.
Ihm folgen noch 7 Pharaonen und mit Psusennes II., von dessen vierzehnjähriger Herrschaft wenig bekannt ist, kam das Ende der 21. Dynastie. Dein Nachfolger Scheschonk I. begründete durch die Heirat mit Psusennes II. Tochter Maatkare die 22. Dynastie.


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