Kleines Saarländisches Lexikon

 

 

 

Ein Märchen für Erwachsene

Es war einmal....

...ein kleines Land, in dem fleißige Zwerge tief und gründlich in der Erde gruben. Sie sorgten für Wohlstand in der Bevölkerung und für Arbeitsplätze. Dort wo sie gruben brummten und summten die Ortschaften, Geschäfte florierten, Brot wurde gebacken, Wurst wurde verwurschtelt, es war ein Leben im Überfluß. Und so gab es die ersten Neider und dann kam eine Kohlekrise. Die ersten Gruben mußten schließen und schließlich blieben nur noch gut 4000 Kumpel übrig. Doch sie hielten die Stellung, wenn auch rundherum, dort wo nicht mehr gegraben wurde, das Land verfiel. Orte, in deren Hauptstraßen sich Geschäft an Geschäft reihte, verfallen, werden zu Ghettos. Leerstehende Häuser und Ladenlokale, schmutzige, verwahrloste Straßen träumen heute von der guten alten Zeit, die für immer verloren ist...

So sehen Berkwerke aus, nachdem von der Politik ein neuer Kurs eingeschlagen wird. Sie werden von sogenannten innovativen Firmen genutzt, die ganz schnell Pleite machen und der Menschheit ihren Dreck hinterlassen!!!

Aber die Neider und Besserwisser, die Kleinkarierten und Böswilligen, die Lästerer und Politiker geben keine Ruhe. Auch das letzte Bergwerkwerk sollte fallen! Sie hatten Zeit und warteten auf den großen GAU. Leider kam er! Heute spricht man nur von dem großen Beben, dem Superbeben... Ach, lieber Gott, es rumpelte in der Erde, es fielen ein paar Tassen aus den Schränken, es fielen ein paar Ziegel auf die Straße, einige Kamine zeigten Risse. Ein seit Jahren vergammeltes, verlottertes Schulgebäude bekam den letzten Rest, ebenso ein altes, verbrauchtes, renovierungsbedürtiges Rathaus. Niemand kam körperlich zu Schaden, aber die Böswilligen meinten nun, es sei genug! Sie forderten "Schluß damit!" Und so geschah es.

Von einer Minute zur nächsten stand das Land still... kein Förderrad drehte sich mehr, Abbaustopp! Niemand verkaufte den Bergleuten noch Brot, die Kinder der Kumpel werden in den Schulen geschlagen, gemobbt, gedemütigt. Die Frauen der Kumpel werden in den Geschäften nicht mehr bedient... Sie sind plötzlich Ausgestoßene, ja werden sogar Terroristen geschimpft. Menschen, die ihr Leben lang nichts anderes kannten, als ihrer Arbeit nachzugehen, die Leib und Leben für ihren Beruf ließen, die dem kleinen Land Wohlstand brachten... Sie werden alle gedemütigt... Sie stehen auf der Straße vor einem brennenden Feuer, manche mit Tränen in den Augen, und die kommen nicht vom Rauch! Sie stehen vor ihrer Arbeitsstätte und dürfen nicht hinein. Sie stehen da mit ihrer Wut und ihrer Trauer und hofften auf einen starken König, der da käme sie zu retten.

 

Hoffnung haben sie! Ja, das einzige was geblieben ist. Hoffnung, daß der alte König Pit abdankt und ein Neuer gewählt wird. Der Neue sollte frech wie Oskar sein - das wünschen sie sich. Sie wünschen sich, daß sie ihre Kohle wieder aus der Erde holen dürfen, denn wenn das kleine Land Importkohle beziehen muß, dann muß der arme Bürger, sprich: Steuerzahler, die große Differenz zur günstigeren, einheimischen Kohle aus seinem Beutel zahlen.

Das Märchen ist noch nicht zu Ende, sie stehen weiter Tag für Tag an der Straße, halten das Mahnfeuer in Gang, wie schon seit 4 Wochen. Sie stehen da mit ihren Frauen und Kindern, egal ob es regnet oder schneit und pochen auf ihr Recht auf Arbeit!!! Dafür gehen sie in der Hauptstadt auf die Straße, erfahren nur Gutes von der Bevölkerung. So haben z.B. bis heute (27.März 08) 82724 Bürger und Bürgerinnen in einer Unterschriftenaktion für den Erhalt des saarländischen Bergbaus plädiert! Dafür ein herzliches Dankeschön!

 

 

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