Am Horizont der Sonne

 

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Mode und Alltägliches

Schönheit war für die Remet en Kemet ein Muß. Schminke war nicht nur zur Zier da - die Augenfarbe sollte auch vor Krankheiten schützen. Parfüms wurden ebenso benutzt wie Salböle. Wer es sich leisten konnte, hatte ein Badezimmer im Haus, wer nicht so betucht war, wusch sich im Nil. Reinlichkeit war absolutes Gebot um Ungeziefer fernzuhalten. Deshalb trugen die Ägypter auch die aufwendig gearbeiteten Perücken. Das eigene Haar wurde abrasiert oder sehr kurz gehalten, denn so konnten sich keine Läuse oder Flöhe festsetzen. Wohl dem, der sich eine Perücke leisten konnte, Glatzköpfigen sah man die Armut an.

Weißes Leinen war vorrangig bei der Bekleidung. Das nach dem teuersten Verfahren hergestellte, weiße Leinen nannte man "Secheru Nesut" Königsleinen. Die Herren trugen kurze oder lange Röcke, je nachdem wie es gerade Mode war, dazu Hemden mit weiten Ärmeln oder auch nur einen kurzen Schurz. Die Damen hatten, ganz wie heute auch, gleich die Qual der Wahl. Lang waren die Kleider immer, entweder glatt fließend oder aufwendig plissiert. Mal mit 2Trägern, mal mit nur einem, mal blieb eine Brust frei, mal nicht. Manche Kleider wurden mit einer Art Umhang getragen, wie es bei der Dame limks zu sehen ist.


Oder über ein weißes Unterkleid wurde ein Perlenüberwurf gelegt. Ein absolutes Muß war der Halskragen und auch sonst gehörte Schmuck, egal wie wertvoll er war, zur Vervollständigung der Garderobe. Gern schmückten die Damen sich auch mit frischen Blüten. Schuhe, Sandalen oder sogar Stiefel wurden nur von den "feinen" Leuten getragen. Bei der Jagd wurden Handschuhe getragen, Soldaten hatten zu ihrem besonderen Schutz noch Brustharnische und Schienbeinschoner. Die normale Landbevölkerung ging überwiegend barfuß, höchstens mal mit ein paar Binsensandalen an den Füßen. Die normale "Arbeitskleidung" war ein einfaches Hemd, das bis zu den Knien reichte. In der 18. Dynastie setzte sich ein eigentümlicher Brauch durch: Die Damen setzten sich Kegel aus Fett auf die Perücke. Die Kegel waren mit Dufstoffen getränkt, in der Wärme schmolz das Fett und die Düfte setzten sich frei. Wer anschließend die Reinigung der Garderobe und Perücken übernommen hat, ist leider nicht überliefert

Leinen blickt auf eine jahrtausendlange Kultur zurück. Schon 5000 bis 4000 v. Chr. wurde Flachs systematisch von Ägyptern, Babyloniern, Phöniziern und anderen Kulturvölkern angebaut. Die ägyptischen Mumien sind in Leinen eingehüllt, denn Baumwolle war in Ägypten lange Zeit unbekannt. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts war Leinen neben Wolle der verbreitetste Textilrohstoff und wurde anschließend durch die preisgünstigere Baumwolle verdrängt. Der heutige mengenmäßige Anteil des Leinens beträgt etwa 3 % am Gesamttextilverbrauch. Es hat bis heute sein hohes Ansehen als Naturprodukt bewahrt.

Die Leinenfasern werden aus dem Stengel der Flachspflanze gewonnen. Diese wird als Frucht- oder Faserpflanze angebaut. Zur Fasergewinnung werden langstielige, hellblau bis weiß blühende Sorten mit einer Wuchshöhe von etwa 80 bis 120 cm verwendet, während kürzere Sorten der Leinölgewinnung dienen.
Der Flachs ist eine einjährige Pflanze und muß jedes Jahr neu gesät werden. Er gedeiht sehr gut im gemäßigten Klima. Gebiete mit Seeklima liefern die besten Flachssorten. Die Aussaat erfolgt von März bis April. Das Wachstum ist nach etwa 90 bis 120 Tagen beendet. Im oberen Teil der Pflanze bilden sich Verästelungen, an denen sich die Blüten entwickeln. An der reifen Pflanze haben sich aus den Blüten die etwa erbsengroßen Samenkapseln gebildet, die etwa 2 mm lange, sehr ölhaltige Samen (Leinsamen) enthalten.


Laute, Flöte, Harfe und Doppelflöte sind bei den reizenden Musikantinnen anscheinend sehr beliebt. Es gab verschiedene Arten von Musikinstrumenten. Außer den genannten gab es aber auch Trompeten und große Harfen und Trommeln. Mit Klappern, die wie Händchen gearbeitet waren, wurde der Takt geschlagen - ähnlich wie mit den heutigen Kastagnetten.
Das Sistrum - (unten) einmal im Original und noch einmal in den Händen der Dame oben zu sehen, war ebenfalls sehr begehrt. Mit Hilfe von kleinen Schellen funktionierte dieses Gerät ähnlich wie heute unsere Tambourins

Auf jeden Fall ökologisch: Der Haarfestiger zu damaliger Zeit bestand aus Bienenwachs oder Honig. Diese Perücke aus echtem Menschenhaar ist ca. 50 cm lang. Die Dame, die sich einst damit schmückte, lebte in der Zeit der 18/19. Dynastie. Forscher datierten die Perücke auf die Zeit zwischen 1550 - 1185 v. Chr.
Die Tunika aus Leinen stammt aus dem Grab des Cha, der um 1400 v. Chr. lebte.
Hals und Armauschnitt sind mit einer bunten Borte eingefaßt. Die seitlichen Ränder sind gefältelt. Man trug dieses Gewand zusammen mit einer Schärpe, welche die weitfallende Tunika in der Taille zusammenhielt.
Bis hin zum kleinsten Detail richteten sie ihre Feste aus. Auf dem folgenden Bild kann man erkennen, das die kleine Dienerin den Damen sogar eine Serviette hinhält.

Kamm und Spiegel, Schere und Löffel. Die Liste ließe sich bis ins Unendliche aufzählen. Alles, was den Alltag einfacher machte, gab es in Kemet. Bis hin zu ärztlichen Instrumenten- manche sind bis heute unverändert geblieben. Es gab Nadeln, Pinzetten und Scheren, den Webstuhl, sogar Uhren wurden verwendet. Spiele hatten Würfel aus Zähnen, die genau wie heute 6 Augen zählten. Vielleicht machen all diese Dinge uns die Ägypter so vertraut und liebenswürdig.

Feiern und sich des Lebens freuen - das schien das Motto dieser Menschen zu sein, die der Nachwelt eigentlich nur ihren Totenkult hinterlassen haben. Sie versuchten ihren Verstorbenen all das mitzugeben, was das Leben schön macht. Die Freuden des Daseins, die Lust am Leben...
Das Lied des Harfners spiegelt diese Lebenseinstellung in wunderbaren Worten wieder:

"Keiner kann sein Leben auf Erden verlängern.
Es ist keiner, der nicht zum Jenseits gehen muß.
Die Dauer des irdischen Daseins ist nicht länger, als ein Traum.

Begehe den Tag fröhlich.
Nimm Salbe und feines Öl für deine Nase.
Lege Kränze aus Lotosblüten an den Hals deiner Frau,
die du liebst und die neben dir sitzt.

Laß Gesang und Musik um dich sein.
Wirf alle Sorgen hinter dich und denke daran, dich zu freuen.
Bis daß der Tag kommt, wo man ankommt,
im Lande das die Stille liebt."


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