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2. Auflage Mai 2010
ISBN 9783831100064
372 Seiten, 23,00 €
Klappentext:
Das Buch
ist neben der Familiengeschichte von Nofretete und Echnaton
auch die außergewöhnliche Biographie eines Mannes, der sein Leben nicht
leben durfte. Das Unfaßbare geschieht, denn ein neunjähriger Junge tritt
die Nachfolge seines Vaters an! Pharao ist tot, Tut-Ench-Aton besteigt
den Thron, stößt den Sonnengott Aton von seinem himmlischen Thron, nennt
sich von nun an Tut-Ench-Amun, Das Lebende Bild des Amun, und rückt die
geschmähten Götter wieder an ihren Platz.
Er entgeht einem feigen Attentat neun Jahre später und folgt entschlossen
einem mysteriösen Orakel, welches ihm die große Priesterin der Isis vor
Jahren offenbarte. Tut verläßt deshalb seine Gattin und macht sich zu
einer abenteuerlichen Wanderung durch sein Land auf. Nach Jahren der Abwesenheit
kehrt er zurück, getrieben von dem Pflichtgefühl für sein Land und von
der Liebe zu seiner Frau Anchesenamun. Aus dem Jungen von einst ist jetzt
ein starker Mann geworden, der Ägypten zum mächtigsten Imperium der Welt
macht. Doch aufgewachsen in der Zeit des Umbruchs, in der für die alten
Götter kein Platz war, hadert er mit den alten Vorstellungen des Glaubens.
Er zweifelt sein Leben lang an der Allmacht Amuns, ebenso wie an seiner
eigenen Göttlichkeit. Alles stellt er in Frage, doch ein uralter Papyrus
aus der Zeit der ersten Pharaonen zeigt ihm endlich den Weg zur Unsterblichkeit
Die Priesterin der Isis offenbart Anchesenamun nach dem Tod Tut-Ench-Amuns
ein Mysterium und die Große Königliche Gemahlin tritt ein schweres Erbe
an.
Leseprobe aus:
Drittes Buch
Der Thronfolger
Kapitel 11
...Tut erwachte. Die Kälte hatte ihn geweckt.
Unbeholfen suchte er seine Decke. Was er fand waren Steine. Schlagartig
war er hellwach. Die Erinnerung an den vergangenen Tag stand sofort vor
seinem geistigen Auge. Mit einem Ruck setzte er sich auf und blinzelte
in den hellen Morgen. Alle Knochen im Leib schmerzten und er stöhnte.
Sein Körper war über und über mit Schürfwunden bedeckt, aber sonst fehlte
ihm nichts. In der Morgendämmerung sah er sich um. Die Räder eines Streitwagens
ragten in den blauen Himmel. Etwas weiter weg sah er die Pferde liegen.
Seltsam verkrümmt lagen die stolzen Tiere in Staub und Geröll. Unter Schmerzen
erhob er sich und mußte husten. Hier hatte er die grausigen Folgen eines
feigen Attentats vor sich, dämmerte ihm. Ein paar Schritte hinter ihm
lag Ahmose. Getrocknetes Blut und tiefe Wunden entstellten seinen Körper.
Nur Ahmoses Gesicht war verschont geblieben. Fragend und zweifelnd war
sein Ausdruck. Tut schloß ihm die Augen, er konnte seinem Freund nicht
mehr helfen. Ein klägliches Geräusch riß ihn aus seiner Trauer. Auch der
Löwe war schwer verletzt. Tut ging zu ihm und streichelte das halbtote
Tier. Tränen tropften auf die staubige Mähne als seine Hände das Gesicht
des Löwen liebkosten. Mit zitternden Fingern löste Tut seinen Dolch aus
dem Gürtel. Mit der freien Hand streichelte er Chufu ein letztes Mal,
während er ihm den Dolch ins Herz stieß. Schwankend stand Tut auf und
schleppte sich zu dem Streitwagen. Die Pferde waren tot. Genau wie der
Lenker. Die Deichsel hatte ihm den Kopf gespalten. Tut besah sich den
Wagen ganz genau. Nie und nimmer kam dieser Wagen vom Palast. Es war ein
fremdes Gefährt und der Lenker gehörte wohl der Klasse der Diebe und Mörder
an. Grobschlächtig und ungepflegt sah er auch im Tode aus. "Mögen dich
die Hyänen und Schakale fressen!" schrie Tut den toten Lenker an. "Verrotten
sollst du, du elende Mißgeburt!" Tut wußte in seinem Kummer keinen anderen
Ausweg als den Lenker zu treten. Als er seine Wut wieder im Griff hatte
suchte er sich einen Platz hinter einem großen Felsen im Schatten. Durst
und Hunger meldeten sich zu Wort. Seine Kehle war trocken und kratzte.
Hoffnungslos begab er sich auf die Suche nach dem Wasserbeutel. Er fand
ihn bald. Der Beutel war beschädigt, aber nicht ganz ausgelaufen. Tut
bezwang den Drang das bißchen Wasser mit einem Schluck hinunterzuschlucken.
Bedächtig ließ er das schal geworden Wasser
durch seine Kehle rinnen. Sein Blick fiel auf Ahmose und durch seinen
Kopf zuckte blitzartig der Gedanke: "Der Freund wird für ihn sterben!"
Wer hatte diesen Satz zu ihm gesagt? Wenn er doch nur richtig denken könnte!
An irgendeinem wichtigen Tag in seinem Leben hatte das einmal jemand zu
ihm gesagt. Aber wo? Und wer? Tut setzte sich wieder hinter den Stein.
Seine Gedanken schweiften ab und er dachte über sein Leben nach. Vielleicht
kam er so auf eine Idee, was dieser Anschlag sollte. Wer war so dreist,
nach Pharaos Leben zu trachten? Eje? Unsinn! Nofretete kam ihm plötzlich
in den Sinn. Wie lange schon hatte er nicht mehr an sie gedacht? Seit
dem Tag, als er von Achet-Aton aufgebrochen war um zurück nach Uaset zu
gehen, hatte er sie vergessen. Tut meinte ihr Parfüm zu riechen. Wieder
kam ihm eine Erinnerung. Das Parfüm hatte er schon mal gerochen, nicht
bei Nofretete, woanders. In einem Tempel? Tut schalt sich selbst. Der
Sturz, der Durst und die Hitze hatten seinen Verstand getrübt. Er würde
jetzt aufstehen und sich zu Fuß auf den Weg machen. Nach Hause, zu seiner
Gattin und Schwester, Anchesenamun, die letzte Tochter der großen Königin.
"Die Letzte!" Tut schrie die zwei Worte in den heißen Wüstenwind. "Das
ist es! Anchesenamun ist die Letzte! Das Orakel! Sahu-Res Orakel am Geburts-
und Todestag meiner Tochter! "Blut und Tod werden sie noch einmal begleiten".
Natürlich! Sie hat noch einmal ein Kind auf die gleiche Weise verloren."
Tut mußte sich setzen. Wie war das damals? Was hatte Sahu-Re nicht alles
zu ihm gesagt? Es war so verwirrend gewesen und er hatte sich damals in
dem dunklen Tempel der Isispriesterin so gefürchtet. Wenn er sich doch
nur erinnern könnte. Mühsam fielen ihm die Worte der Priesterin wieder
ein: "Der starke König mit dem Harem wird ihn begleiten." Das war Chufu.
Und "der Freund der für ihn gestorben war", war Ahmose. "Achtzehn Winter
werden vergehen bis der Löwe erkennt, was er versäumt hat... " Ja, jetzt
fiel Tut alles wieder ein. Bald war sein siebzehnter Winter vorbei. Er
war der Löwe, Pharao, achtzehn Winter alt. Wild kreisten Tuts Gedanken
um den traurigen Tag, als seine Tochter zur Welt kam. Vor seinem geistigen
Auge sah er Anchesenamun auf ihrem Bett stehen, das Kind in den Armen,
dessen Köpfchen so leblos herab gehangen hatte. Sich selbst quälend stiegen
diese Bilder wieder vor ihm auf. Dann packte ihn das gruselige Erlebnis
im Thronsaal von Hat - Aton. Echnatons Finger, die anscheinend nach ihm
gegriffen hatten. Das verfaulte Gesicht mit den leeren Augenhöhlen. Tut
stöhnte. Er wollte diesen Anblick vergessen. Manchmal gelang es ihm. Wenn
er genug Wein getrunken hatte und sich mit Ahmose vergnügte, dann konnte
es passieren, daß er endlich diese schrecklichen Bilder aus seinem Kopf
verbannen konnte. Seine Streifzüge mit Ahmose kamen ihm in den Sinn. Sein
Saufen und sein zügelloses Leben - anders konnte man es nicht mehr nennen.
Jetzt stellte sich Tut seinem schlechten
Gewissen, dachte an Eje - o weh! Was würde Anchesenamuns Großvater mit
ihm anstellen, wenn er zurückkäme, diesen Unfall gestehen mußte? Das würde
der Alte niemals billigen. Den ganzen heißen Abend lang ließ er sein Leben
an sich vorbeiziehen. War es an der Zeit, daß er sein Leben selbst in
die Hand nehmen sollte? War die Zeit gekommen, die ihm die Priesterin
der Isis offenbart hatte? Das Orakel hatte sich schon zum Teil erfüllt.
Mußte er nun gehen? Heute war zweifelsohne der Tag der Entscheidung. Der
Tag, an dem er aufbrechen sollte um Weisheit zu empfangen und zu lernen!
Aber vor allem wollte er sich davor drücken, Eje unter die Augen zu treten.
Doch wo sollte er hingehen? Eine Stimme in seinem Kopf wisperte eindringlich:
Nach Norden! Nach Norden! Was sollte er im Norden? Doch nach Hause gehen
kam für ihn plötzlich nicht mehr in Frage. Wie konnte er denn in Uaset
Weisheit lernen? Kannten ihn die meisten dort doch als Raufbold und Zechbruder.
Sich immer wieder die Worte von damals, die in dem dunklen Tempel gesprochen
wurden, vor Augen führend, saß Tut da und schaute in den Sonnenuntergang.
Als es richtig dunkel geworden war, wurde sein Herz wieder ruhiger. Er
hatte seinen Entschluß gefaßt und wollte auf seine innere Stimme hören!
Tapfer würde er sich seinem Leben entgegenstellen. Er wollte versuchen
zu lernen und zu verstehen. Daß er dabei auch den Menschen, die ihn liebten
weh tun mußte, wollte er in Kauf nehmen. Müde geworden, legte er sich
hinter den Stein und versuchte zu schlafen. Morgen, morgen wollte er sein
Leben endlich selbst in die Hand nehmen...
Auszüge aus
Rezensionen:
...Der Fantasie sind keine Grenzen
gesetzt. Das hat die Autorin mit diesem Roman deutlich gezeigt. Allen
archäologischen Spekulationen zum Trotz zeigt sie auf einfühlsame Weise
wie es auch gewesen sein könnte. Rund und schlüssig stellt sich dieses
Buch dar, alle Fragen werden beantwortet und am Schluß bleibt nichts offen
oder unklar. Allen Figuren hat sie Leben eingehaucht und die charismatischen
Hauptdarsteller leben tatsächlich. Sie sind in Katharina Remys Roman keine
historischen Personen aus der Vergangenheit, deren trockene Biografie
das einzige ist, was sich in die Gegenwart gerettet hat. Nein, ihre Hauptdarsteller
sind lebendige Charaktere, deren Schicksal mitzuerleben ein wahrer Lesegenuß
ist...
...Es ist viel mehr ein Märchen,
in dem eben das berühmte Körnchen Wahrheit steckt. Und doch ist der Roman
so realistisch geschrieben, dass selbst mir, die nicht mal umsonst in
einem Liebesfilm reingehen würde, an manchen Stellen Tränen in den Augen
standen. Trotzdem fand ich ihn doch manchmal etwas schmalzig, weshalb
er auch knapp an der Höchstwertung vorbei geschlittert ist. Aber im Großen
und Ganzen habe ich das Lesen des Buches, das sich so erfrischend von
den meisten anderen Ägypten-Romanen abhebt, sehr genossen...

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