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Bevor ich auf das Grab der Königin Hetepheres zu sprechen komme, sollte zunächst die Frage geklärt werden: wer war Hetepheres? Jeder kennt Nofretete als Gemahlin eines Pharaos, aber Hetepheres? Viele hören diesen Namen vielleicht zum ersten Mal, dennoch war sie eine bedeutende Frau, denn ohne sie wäre die große Pyramide von Gise- die Cheops Pyramide - nicht existent. Um das Rätsel zu lösen: Hetepheres war die Mutter von Cheops (Cufu) und Gemahlin des Snofru. Die Große Königsgemahlin, deren Titel: "Mutter des Königs von Ober- und Unterägypten; Gefährtin des Horus; Leiterin der Schlächter des Akazienhauses, welcher alles erfüllt wird; Tochter des Gottes, seines Leibes, Hetepheres" lauteten, lebte demnach zur Zeit der 4. Dynastie (Alten Reiche) ca. 2551-2528 v.Chr. "Dieses unberührte Grab...bot zum ersten Mal in der Geschichte
der ägyptischen Ausgrabung Gelegenheit, die Bestattungsstätte einer
bedeutenden Persönlichkeit aus der Frühzeit zu untersuchen. Es ist
1500 Jahre älter als die Königsgräber des Neuen Reiches. Durch
die kleine Öffnung konnten [wir] einen prachtvollen Alabastersarkophag
sehen, dessen Deckel sich noch an seinem Platz befand. Zum Teil auf und zum
Teil hinter dem Sarkophag lagen etwa 20 vergoldete Stäbe und Stangen
eines großen Zeltes, an der Westseite des Sarkophags mehrere goldene
Platten mit Fayecseintarsien und auf dem Boden standen in wirrem Durcheinander
zahlreiche vergoldete Möbelstücke...GEORG A: REISNER zit. n.: Reeves
2000 Am 3. März 1927 versammelte sich eine namhafte Gesellschaft [von etwa 8 Personen] ungefähr 30 Meter unter der Erdoberfläche...Auf ein Nicken von Reisner wurden die Winden in Bewegung gesetzt, die für diesen Zweck zuvor angebracht wurden. Langsam entstand zwischen dem Deckel und dem Sarkophag ein Spalt. Er erweiterte sich allmählich, bis wir in den oberen Teil des Sarkophags blicken konnten; nichts war zu sehen. Während sich der Deckel weiter hob, konnten wir tiefer in das Innere und schließlich bis auf den Grund des Sarkophages sehen...Dows Dunham zit. n.: Reeves 2000 Lindon Smith war ebenfalls bei der Sarkophagöffnung beteiligt und erzählt weiter: Als [der Deckel] hoch genug angehoben war, sodass ich hineinspähen konnte, sah ich zu meiner großen Bestürzung, dass die Königin nicht darin lag -der Sarkophag war leer! Ich wandte mich an Reisner und sagte mit lauterer Stimme als beabsichtigt: 'Georg, sie ist ein Blindgänger!' Daraufhin fragte der Minister für staatliche Bauprojekte: Was ist ein Blindgänger?' Reisner erhob sch von seiner Kiste und sagte: Gentlemen, ich befürchte, Königin Hetepheres gewährt keine Audienz.' Dann fügte er hinzu: Mrs. Reisner wird im Lager eine Erfrischung servieren...'Lindon Smith zit. N.: Reeves 2000 Der Sarkophag war leer. Das mysteriöse an diesem Unterfangen war die Tatsache, dass alle Grabbeigaben, sogar die Kanopenkrüge, in dieser Kammer lagen. Doch wo war der Leichnam der Königin? Diese Frage führte zu vielerlei Spekulationen. Eine Theorie nach Reisner war, dass das ursprüngliche Grab in Dahschur lag, dass dieses geplündert und der Leichnam geraubt bzw. zerstört wurde. Die übergebliebenen Grabbeigaben sollen demnach in diese kleine unterirdische Kammer anschließend gebracht worden sein. Eine weitaus logischere Erklärung bot Mark Lehner im Jahr 1985: Das 1925 von Reisner gefundene Grab war das erste, folglich das ursprüngliche Grab der Hetepheres. Nach Befehl des Cheops wurde der Leichnam später in eine andere Begräbnisstätte übergesiedelt, wo der Leichnam zerstört worden ist oder zerfallen ist. Fest steht die Tatsache, dass viele Grabbeigaben in dem kleinen Grab gefunden wurden, die Mumie jedoch bis heute nicht entdeckt wurde. Bis keine weiteren Beweise gefunden werden, bleiben alle Äußerungen um den Verbleib der Königsmumie reine Spekulation. Im Nachfolgenden sollen die bedeutendsten Funde im Grab aufgelistet werden. Die Liste geht auf Reeves (2000) zurück: Alabastersarkophag (JE 51899) Kanopentruhe aus Alabaster(JE 52452) Hölzernes Kanopenbett mit Goldauflage(JE57711) Hölzerne Vorhangtruhe mit Goldauflage und Intarsien (JE72030) Hölzernes Bett mit Goldauflage und Intarsien (JE53261) Kopftuch (Kleidungsstück ?), hölzerne Truhe mit Salbentiegel aus Kalzit usw. (JE52373), Waschkrug und -becken aus Kupfer, Steingefäße (2) und Tongefäße (2), Hölzerne Kopfstütze mit Gold- und Silberauflage (JE53262), Hölzerne Truhe mit Goldauflage, Inhalt: Silberarmbänder (JE53265-81;
MFA 47.1699), Gold- und Silberteller, Rasiermesser und andere Kosmetikgegenstände
aus Gold und Kupfer, Armbänder aus Elfenbein
April 2002
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