Am Horizont der Sonne

 

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Das Grab der Königin Hetepheres


Bevor ich auf das Grab der Königin Hetepheres zu sprechen komme, sollte zunächst die Frage geklärt werden: wer war Hetepheres? Jeder kennt Nofretete als Gemahlin eines Pharaos, aber Hetepheres? Viele hören diesen Namen vielleicht zum ersten Mal, dennoch war sie eine bedeutende Frau, denn ohne sie wäre die große Pyramide von Gise- die Cheops Pyramide - nicht existent. Um das Rätsel zu lösen: Hetepheres war die Mutter von Cheops (Cufu) und Gemahlin des Snofru. Die Große Königsgemahlin, deren Titel: "Mutter des Königs von Ober- und Unterägypten; Gefährtin des Horus; Leiterin der Schlächter des Akazienhauses, welcher alles erfüllt wird; Tochter des Gottes, seines Leibes, Hetepheres" lauteten, lebte demnach zur Zeit der 4. Dynastie (Alten Reiche) ca. 2551-2528 v.Chr.

"Dieses unberührte Grab...bot zum ersten Mal in der Geschichte der ägyptischen Ausgrabung Gelegenheit, die Bestattungsstätte einer bedeutenden Persönlichkeit aus der Frühzeit zu untersuchen. Es ist 1500 Jahre älter als die Königsgräber des Neuen Reiches. Durch die kleine Öffnung konnten [wir] einen prachtvollen Alabastersarkophag sehen, dessen Deckel sich noch an seinem Platz befand. Zum Teil auf und zum Teil hinter dem Sarkophag lagen etwa 20 vergoldete Stäbe und Stangen eines großen Zeltes, an der Westseite des Sarkophags mehrere goldene Platten mit Fayecseintarsien und auf dem Boden standen in wirrem Durcheinander zahlreiche vergoldete Möbelstücke...GEORG A: REISNER zit. n.: Reeves 2000
Das Grab der Königin wurde 1925 in Giseh nahe der Cheops-Pyramide von George A. Reisner entdeckt. Der oben angeführten Erklärung nach zu urteilen müssen sich in dem Grab fantastische Artefakte befunden haben. Das Grab selber befand sich in einer Tiefe von 30 Metern und bestand nur aus einer einzigen Kammer die durch einen Schacht zu erreichen war. Die Kammer selbst war mit Kalksteinblöcken verschlossen, die seit der Antike nicht aufgebrochen wurden, so dass ein unversehrtes Grab zu erhoffen war. Die Euphorie um dieses Grab stieg an, da die Entdeckung eines Grabes einer bedeutenden Persönlichkeit aus dem Alten Reich das kurz zuvor (1922) entdeckte Grab des Tutanchamun in den Schatten stellen könnte. Der kleine Raum, in dem nicht mehr als zwei Menschen tätig sein konnten, brachte Gefahren mit sich, so stürzte beispielsweise ein Felsen von der Decke, der nicht nur die Artefakte in Gefahr brachte sondern auch das Leben von Dows Dunham, der bei den Aufräumarbeiten beteiligt war. Viele der Grabbeigaben waren im Laufe der Zeit zu Staub verfallen, aber viele bedeutende Objekte blieben der Nachwelt erhalten, wie zum Beispiel die Kanopentruhe. In der Kanopentruhe selber, die in einer Grabnische versteckt war, fand man vier Eingeweidepakete, von denen drei sich immer noch in der Natronlösung befanden die bei der Mumifizierung verwendet wurde. Alles befand sich an seinem Platz, die Kanopen, der Sarkophag und die Grabbeigaben. Jetzt fehlte nur noch die Öffnung des Sarkophages als letztes Detail, damit dieser Fund perfekt wurde. Die Öffnung geschah erst in der zweiten Hälfte der Ausräumarbeiten und sollte alles andere als eine Freude bescheren. Der Sarg war leer, aber lassen wie Dunham selber berichten:

Am 3. März 1927 versammelte sich eine namhafte Gesellschaft [von etwa 8 Personen] ungefähr 30 Meter unter der Erdoberfläche...Auf ein Nicken von Reisner wurden die Winden in Bewegung gesetzt, die für diesen Zweck zuvor angebracht wurden. Langsam entstand zwischen dem Deckel und dem Sarkophag ein Spalt. Er erweiterte sich allmählich, bis wir in den oberen Teil des Sarkophags blicken konnten; nichts war zu sehen. Während sich der Deckel weiter hob, konnten wir tiefer in das Innere und schließlich bis auf den Grund des Sarkophages sehen...Dows Dunham zit. n.: Reeves 2000

Lindon Smith war ebenfalls bei der Sarkophagöffnung beteiligt und erzählt weiter:

Als [der Deckel] hoch genug angehoben war, sodass ich hineinspähen konnte, sah ich zu meiner großen Bestürzung, dass die Königin nicht darin lag -der Sarkophag war leer! Ich wandte mich an Reisner und sagte mit lauterer Stimme als beabsichtigt: 'Georg, sie ist ein Blindgänger!' Daraufhin fragte der Minister für staatliche Bauprojekte: ‚Was ist ein Blindgänger?' Reisner erhob sch von seiner Kiste und sagte: ‚Gentlemen, ich befürchte, Königin Hetepheres gewährt keine Audienz.' Dann fügte er hinzu: ‚Mrs. Reisner wird im Lager eine Erfrischung servieren...'Lindon Smith zit. N.: Reeves 2000

Der Sarkophag war leer. Das mysteriöse an diesem Unterfangen war die Tatsache, dass alle Grabbeigaben, sogar die Kanopenkrüge, in dieser Kammer lagen. Doch wo war der Leichnam der Königin? Diese Frage führte zu vielerlei Spekulationen. Eine Theorie nach Reisner war, dass das ursprüngliche Grab in Dahschur lag, dass dieses geplündert und der Leichnam geraubt bzw. zerstört wurde. Die übergebliebenen Grabbeigaben sollen demnach in diese kleine unterirdische Kammer anschließend gebracht worden sein. Eine weitaus logischere Erklärung bot Mark Lehner im Jahr 1985: Das 1925 von Reisner gefundene Grab war das erste, folglich das ursprüngliche Grab der Hetepheres. Nach Befehl des Cheops wurde der Leichnam später in eine andere Begräbnisstätte übergesiedelt, wo der Leichnam zerstört worden ist oder zerfallen ist. Fest steht die Tatsache, dass viele Grabbeigaben in dem kleinen Grab gefunden wurden, die Mumie jedoch bis heute nicht entdeckt wurde. Bis keine weiteren Beweise gefunden werden, bleiben alle Äußerungen um den Verbleib der Königsmumie reine Spekulation. Im Nachfolgenden sollen die bedeutendsten Funde im Grab aufgelistet werden. Die Liste geht auf Reeves (2000) zurück:

Alabastersarkophag (JE 51899)

Kanopentruhe aus Alabaster(JE 52452)

Hölzernes Kanopenbett mit Goldauflage(JE57711)

Hölzerne Vorhangtruhe mit Goldauflage und Intarsien (JE72030)

Hölzernes Bett mit Goldauflage und Intarsien (JE53261)
Hölzerne Stühle (2) mit Goldauflage, einer mit Intarsien (JE53263, Temp. Reg. 22.2.60, verschiedene)
Hölzerner Tragstuhl mit Goldaufl. und Intarsien (JE52372)
Hölzerne Truhen (etwa 8) , Inhalt: Leinen, Töpferwaren, Steingefäße, Lehmsiegel, Feuersteine, verschiedene Bruchstücke
Hölzerne Truhe mit Goldauflage und Intarsien (Temp. Reg. 22.2.60, verschiedene,) Inhalt:

Kopftuch (Kleidungsstück ?), hölzerne Truhe mit Salbentiegel aus Kalzit usw. (JE52373), Waschkrug und -becken aus Kupfer, Steingefäße (2) und Tongefäße (2),

Hölzerne Kopfstütze mit Gold- und Silberauflage (JE53262),

Hölzerne Truhe mit Goldauflage, Inhalt: Silberarmbänder (JE53265-81; MFA 47.1699), Gold- und Silberteller, Rasiermesser und andere Kosmetikgegenstände aus Gold und Kupfer, Armbänder aus Elfenbein
Rohrförmige Lederhülle mit Stäben (2), Gold- und Silberauflage (JE89619)
Verschiedene Stein- und Tongefäße
Korb
Verschiedene Kupfergegenstände
Die meisten der gefundenen Gegenstände befinden sich in Kairo (JE; Temp.reg.); kleinere Stücke (und Faksimile größerer Gegenstände) im Museum of Fine Arts in Boston (MFA)


April 2002

 

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