Am Horizont der Sonne

 

Die Zahl 18, der Zufall und ein Falke

Nun ja, einen Roman über die 18. Dynastie zu schreiben, bei dem der Hauptdarsteller eigentlich mit ca. 18 Jahren ums Leben kommt, ist an und für sich noch nichts besonderes. Von Zufall kann man da noch nicht reden. Erst später, lange nachdem ich das Buch fertig hatte, fiel mir auf, wie oft ich die Zahl 18 mit mir, dem Roman und Tut - Ench - Amun in Verbindung bringen konnte. Vielleicht ist es als Einbildung abzutun, vielleicht war alles wirklich nur Zufall. Oder aber der Geist eines Menschen, seine Seele, geht nie verloren und sie weilt für alle Zeiten unter uns, lenkend und leitend.

Im Januar des Jahres 1998 saß ich nachts um 2:30 Uhr verbissen, müde und doch glücklich vor meinem Rechner. Nur noch ein paar Zeilen um die Arbeit abzuschließen. Alles war soweit fertig: Der Titel, der Anhang, die Erklärungen, die Widmungen. Endlich, der letzte Satz von insgesamt knapp 1.3 Millionen Schriftzeichen! Ich war den Tränen nahe, zitterte und war so aufgeregt, wie ein Kind am ersten Schultag. Nur ein Satz fehlte noch, nämlich das Datum des heutigen Tages. Ein Blick zum Kalender sagte mir, es war der 18. Januar.
Einen leisen, wehmütigen Blick zurück in der Zeit gönnte ich mir. Was war nicht alles geschehen, seit ich mit diesem Buch angefangen habe? Umzug, berufliche Veränderungen usw. Wann war das, überlegte ich. Und wieder, ich konnte es kaum glauben, spielte die 18 eine Rolle. Denn genau eineinhalb Jahre zuvor hatte ich angefangen zu schreiben!

Nun aber ging die Arbeit erst richtig los. Jetzt mußte ich die Korrekturen machen. Ich ließ mir Zeit, denn irgendwann muß man sich auch um anderes kümmern, einen anderen Blickwinkel finden und das alte Ägypten mal in den Hintergrund schieben. Ein halbes Jahr brauchte ich für die Korrektur. Und wenn man alles so alleine fertigbringen will, verläßt einen schon einmal der Mut. Klar, mein Mann stand hinter mir, stärkte mir das Rückrat, gab Tips, wie ich diese oder jene Szene besser schreiben sollte. Aber manche Rechtschreibregel war seit der Schulzeit in Vergessenheit geraten. Es mußte jemand her, der Ahnung hatte, der meinen Text nicht kannte, der ihn unvoreingenommen korrigierte, bevor ich ihn einem Verlag anbieten konnte. Nun finde man so jemanden, der anderer Leute "Geschreibsel" ernst nimmt. Niemand hatte Zeit, jeder hatte gerade etwas anderes zu tun. Ich war drauf und dran, den ganzen "Krempel" für alle Zeiten in der Schublade verschwinden zu lassen.

An einem langweiligen Sonntag, voller Selbstzweifel und Mutlosigkeit in Bezug auf mein Buch, hörte ich ein Geräusch. Ich ging ans Fenster und genau über mir, im blauen Himmel schwebte ein Falke. Ich sah dem schönen Tier eine Weile zu, wie es seine Kreise zog und erhaben und majestätisch mit den Aufwinden spielte. Und seine Rufe erinnerten mich plötzlich an das, was ich geschrieben hatte:
Tut - Ench - Amun, Sohn der Sonne, Pharao, Sohn des Falken.

Ich schmunzelte über diese Parallele und ging zum läutenden Telefon. Es war meine Schwester, die mir völlig aufgeregt erzählte, daß sie mein Manuskript zu lesen angefangen hätte und es so faszinierend fand, daß sie alles schon korrigiert hätte. Endlich ein Hoffnungsschimmer!
Einen Vogel und ein Telefongespräch in nähere Verbindung miteinander zu bringen, ist nun wirklich absurd. Aber dieser Falke gab mir wieder Mut.

Nun war das Buch korrigiert und die mühsame Suche nach einem Verlag begann. Was soll ich Ihnen sagen? Sie glauben es wahrscheinlich nicht. Es dauerte 18 Monate, bis mein Buch veröffentlicht wurde. Mit Aufregung sah ich dem Tag entgegen, an welchem ich das erste gedruckte Exemplar meines Romanes erhalten sollte. Im Mai hätte er schon fertig sein sollen, aber es zog sich bis in den späten Juni hin. Das gelbe Auto der Post wurde täglich von mir sehnlichst erwartet.
Man kann's glauben, man kann schmunzeln, man kann's als Spinnerei abtun, aber was dann kam wurde mir unheimlich. Am Montag, dem 19. Juni sah ich hinaus, sehnsüchtig wartend auf dieses gelbe Auto. Jeden Moment müßte es doch um die Ecke biegen!
Was kam, war ein Falke!
Ich machte Spaß, lachte und sagte:
"Der Falke ist da, dann kommt mein Buch auch gleich."
Und genau so war es. Der Falke flog direkt vor dem Postauto! Es dauerte eine Weile, bis sich meine Gänsehaut gelegt hatte. Und wäre dieser 18. Juni kein Sonntag, sondern ein Arbeitstag gewesen...

Aber als wäre das nicht schon genug, die 18 ließ
mich nicht los. Ich war zu diesem Zeitpunkt 18
Jahre mit meinen Mann zusammen, ich selbst
war 36.
Soll ich Ihnen ein lustiges Rechenbeispiel aufzeigen?
Die Seitenzahl meines Romanes beträgt zufällig 472.
2 x 7 + 4 = 18
Der Titel des Buches lautet
AM HORIZONT DER SONNE

Zählen Sie mal die Buchstaben!

 

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