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Norden und Süden,
Ost und West, Wüste und fruchtbares Land - Ich kenne es, denn Katharina
machte aus mir - Anna
- eine Archäologin, die Ägypten ganz genau kennt. Allerdings
kommt mir der leise Verdacht, daß sie sich da selbst zum Vorbild
genommen hat :-)
Alles in Kemet konnte einfach durch zwei geteilt werden. Die Weltanschauung
der Ägypter kannte keine Zwischentöne. Der Osten mit seiner aufgehenden
Sonne war für die Lebenden, der Westen gehörten den Toten, ebenso die
Nacht und die Wüste. Der Tag und das fruchtbare Land gehörte den Lebenden.

Kemet, Land der schwarzen Erde, nannten die Ägypter ihre Heimat. Gemeint
ist die fruchtbare schwarze Erde, welche jede Nilüberschwemmung mit sich
brachte. Mit dem Aufgang des Sirius konnten die Ägypter sicher sein, daß
die Jahreszeit des "Achet" begonnen hatte - die Zeit der Überschwemmung.
Sie setzten Sirius mit dem Stern der Isis gleich, die ihren toten Gatten
betrauert. Die Überschwemmung nannten sie daher ehrfürchtig: Die Tränen
der Isis. Der Nil war und ist die Lebensader Ägyptens. Seine Überschwemmung
garantierte bis in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts reichhaltige
Ernte. Mit dem Bau des Nasser Stausees war Ägypten nicht mehr von wetterbedingten
Trockenzeiten abhängig. Allerdings fielen viele historische Stätten dem
Wasser zum Opfer. Abu Simbel und die Tempel von Philae konnten in großartig
angelegten Rettungsaktionen vor den Fluten gerettet werden.
"Deshret", rote
Erde. Rot war die Farbe des Bösen, es war Seths Farbe und gleichzeitig
die Farbe der todbringenden Wüste.

"Deshret" war aber auch der Name der roten Krone von Unterägypten. Gemeint
ist damit das Delta und seine nähere Umgebung. Oberägypten dagegen liegt
im Süden und es beinhaltet die Gebiete des Nils bin hin nach Assuan. Oberägyptens
Krone war die weiße "Heget".

"Siehst
du die Welt, Kind Ägyptens? Sieh, was ich geschaffen habe! Schau meine
Kinder! Und doch, sie werden einst zerstören was ich wachsen ließ. In
weiter Zukunft werden sie mein blaues Juwel peinigen. Sie werden mein
Geschenk mit Füßen treten und es mißachten. Sie werden das Gebein der
Erde martern, sie werden sie schinden und quälen bis sie blutet aber niemand
wird ihren Todesschrei hören wollen. Sie werden die Bäume töten, die Meere
leerfischen, die Tiere quälen, die Flüsse umlenken und sich ihre Naturgewalt
untertan machen. Aber als ob das alles nicht genügen wird - sie werden
sich auch gegenseitig umbringen, wegen aller möglichen Dinge, mit schrecklichen
Waffen und sie werden den Blick für das Wesentliche verlieren..."
... und sie sah die Schöpfung in all ihrer Pracht. Sie sah die Einzigartigkeit,
die Einmaligkeit dieser Welt. Sie sah einen wunderbaren, blauen Edelstein
in den Weiten des schwarzen Universums. Er war der Einzige der lebte.
Kraftvoll pulsierte das Leben in ihm, kraftvoll und stark schlug er unermüdlich
wie das Herz eines Menschen. Gewaltig war dieses Juwel, groß und beeindruckend,
wunderschön und doch so verletzlich und klein im Angesicht des Unendlichen...
Aus dem Roman "Am Horizont der Sonne"
Mehr zur Geographie
und den Gauen auf der Seite "Karte von Ägypten". Nutzen
sie den Infobutton
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